Wer die Nacht macht, macht den Tag
Fethi Benslamas Psychoanalyse einer neuen Grausamkeit
Schlagworte:
Islamismus, Grausamkeit, Sadismus, Ferntechnologien, UrsprungAbstract
Jacques Derrida zufolge ist es Aufgabe der Psychoanalyse, Grausamkeit ohne Alibi zu entziffern. Inspiriert von Derrida analysiert Fethi Benslama die archaisch anmutende Grausamkeit radikal islamistischer Gruppierungen als strukturell verwandt mit, weil untrennbar von modernen militärischen und zivilen Ferntechnologien. Für Benslama liegt der spezifisch psychoanalytische Beitrag darin, die Dynamik zu erhellen, die es Dschihadisten erlaubt, sich über die Ausrottung der Metapher und Verklebung mit dem imaginären Ursprung als Rächer Gottes zu gerieren und im Namen Gottes die Grausamkeit des Genießens zu inszenieren.
Dieser Text basiert teilweise auf einem Kapitel aus Weber, Elisabeth: Kill Boxes. Facing the Legacy of US-Sponsored Torture, Indefinite Detention, and Drone Warfare, Earth, Milky Way 2017, Punctum Books. Wie der Titel ankündigt, thematisiert dieses Buch die Grausamkeit hypermoderner Formen der Staatsgewalt der USA und die Notwendigkeit, sich den Folgen solch staatlich sanktionierter Grausamkeit zu stellen. Wie der hier nur kurz angerissene, im Buch jedoch detailliert entwickelte Kontext zeigt, kann es nicht darum gehen, dem Islamismus eine nur für ihn spezifische Grausamkeit zuzuschreiben.
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