Viel Arbeit für die Psychoanalyse

Zu Nazir Hamads und Charles Melmans La psychologie de l’immigration. (Paris 2019, Editions Langage, 144 Seiten, br., 18 €)

Autor/innen

  • Kianush Ruf

DOI:

https://doi.org/10.21248/riss.2020.93.445

Schlagworte:

Immigration, Islam, Psychoanalyse

Abstract

Bei dem schmalen Band handelt es sich um eine Mischung aus psychoanalytischer Betrachtung und journalistisch-essayistischer Intervention im Kontext der Debatten um Migration, Identität, Rassismus und Rechtspopulismus. Nazir Hamad, in Begleitung von Charles Melman, verfolgt die Absicht, sich der postmigrantischen Gesellschaft und ihren Konflikten in ihren psych(olog)ischen Dimensionen zu nähern. Sie versuchen, dem Erstarken von rechtsnationalen und faschistischen Tendenzen in Europa etwas entgegenzusetzen. Das Einfühlungsvermögen in die Motive der geflüchteten Kinder und Jugendlichen sowie die Bemerkungen zu Beginn des Buches, die den Zustand einer Welt beklagen, die von Hunger, Kriegen und ökonomisch-geopolitischen Interessen an den Rand des (ökologischen) Zusammenbruchs getrieben wird, bezeugen den ethisch-politischen Anspruch der Autoren. Einen genaueren Einblick in die Arbeit von Nazir Hamad geben die Fallbeispiele mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten oder adoptierten Kindern und ihren Eltern. Die Fallbeispiele sind für sich genommen schon ein Gewinn und veranschaulichen die thematisierten Probleme gut.

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Veröffentlicht

04.12.2020