Unversöhnlichkeit, Ressentiment und Verneinungswahn

Autor/innen

  • Roman Widder

DOI:

https://doi.org/10.21248/riss.2022.97.567

Schlagworte:

Ressentiment, Verneinung, Moraltheologie, Psychiatrie, Psychoanalyse, Todestrieb

Abstract

Der Aufsatz widmet sich dem Un der Unversöhnlichkeit und vergleicht hierfür drei heterogene Phänomene: den moraltheologischen Diskurs über Unversöhnlichkeit in der Frühen Neuzeit, die phänomenologische Analyse des Ressentiments im Umfeld von Nietzsche und Scheler, und schließlich den psychiatrischen Komplex des Verneinungswahns, der Ende des 19. Jahrhunderts von Jules Cotard entdeckt wurde. In psychoanalytischer Perspektive lassen sich in allen drei Fällen analoge Motive beobachten: das Wirken des Todestriebs, eine notorische Schuldabwehr und ein graduell wachsender Realitätsverlust. Die Erweiterung der Ressentimentanalyse in Richtung Unversöhnlichkeit und Verneinungswahn erweist sich insofern als fruchtbar für eine affekttheoretische Beschreibung des spezifischen Verhältnisses diverser Formen des sozialen Protests mit Phänomenen des Realitätsverlusts. In der Doppelung der Negation von Un und Ver ist dabei eine Form der mehrfachen Negation wirksam, welche ein Moment der Intensivierung, Zirkularität und Irreversibilität akzentuiert.

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Veröffentlicht

14.09.2022

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Rubrik

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