Kinder dieser Erde
DOI:
https://doi.org/10.21248/riss.2023.99.668Schlagworte:
Lustbefriedigung, Freud, Lacan, MangelAbstract
Die späte Notiz Freuds bestätigt, was, vielleicht nie ganz deutlich ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen in seinem Werk seit den Anfängen da ist: Das Urbild der Befriedigung kommt nicht aus dem Sexuellen. Nicht aus den autorerotischen Träumereien, sondern aus der Liebesbegegnung im Dienste der Selbsterhaltung. Es ist die Stille, die einkehrt, wenn physiologische Befriedigung und seelisches »Befriedigungserlebnis« zueinander finden. [...] Was sich dergestalt fügt, wenn es denn wiederzufinden ist, nennen wir Liebe. Das Sexuelle demgegenüber kennt, wie jedermann weiss, – später – auch seine kleinen Tode, die Ruhemomente zwischendurch; aber es bleibt doch stets etwas Unbefriedigendes, etwas, das sich nicht fügt, es sei denn im perversen Phantasma, wo sub und dom, Lust am Austeilen und am Einstecken zueinander passen wie Schlüssel und Schloss. Das Sexuelle fügt sich nicht, es ist out of joint. Oder, bei Lacan: »Il n’y a pas de rapport sexuel«. Darüber könnte man endlos sprechen, ohne Befriedigung, ohne still zu werden.
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