Jouissance des Stilllebens
DOI:
https://doi.org/10.21248/riss.2023.99.676Schlagworte:
jouissance, Stillleben, Freud, LacanAbstract
Hält die intellektuelle Hemmung das Subjekt in der Wiederholung eines Genusses jenseits der Lust gefangen? Denn hier wird eine unausweichlich »unbefriedigende Natur« der kindlichen Sexualität anvisiert, die jenen eigentümlichen menschlichen Lebensgenuss kennzeichnet, der uns von den »Lilien auf dem Feld« unterscheidet. Freuds Worte gehen weiter als die Ableitung der intellektuellen Hemmung aus den Schicksalen des Oraltriebs, wie sie etwa Melitta Schmideberg vornimmt. Denn dass die Lust auf volle Befriedigung, trotz fehlenden »Stücks«, sich im Körper niederschlage (»Absencen, Ausbrüche von Lachen, Weinen«), fördert eine Seite des Lebens zutage, die schwer zu beherrschen ist, aber ihm zugehört. Diese Seite setzt sich als eine Kraft durch, die sich auch ohne die konkrete Anwesenheit des Anderen zu stillen vermag und sich auch gegen das Subjekt behaupten kann. »Aequivalente auf anderen Gebieten«, seien sie Tränen oder Kitzel, stillen nämlich auch auf eine Art die Lebenslust des Lebendigen. Die »volle Befriedigung«, die das Kind in der Masturbation erstrebt, aber nicht erreicht, produziert so etwas wie einen Körpergenuss des Lebendigen, den die Arbeitshemmung vielleicht wiederholt. Hier zeigt sich wahrscheinlich, wie die jouissance bei den Menschen mit dieser »unbefriedigenden Natur« verwickelt ist, die den Körper durchquert und sein Genießen prägt.
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