Anhängsel und/oder Narziss
Reproduktion und Selbstzweck bei Butler, Freud und Dawkins
DOI:
https://doi.org/10.21248/riss.2021.94.389Keywords:
Narzissmus, Zweck-Mittel-Relation, egoistisches Gen, Überlebensmaschinen, Keimplasma, Samuel Butler, Arterhaltung, Freud, DawkinsAbstract
Die Bezugnahme auf biologische Fragestellungen durchzieht das gesamte Werk Freuds. Seine psychoanalytische Einführung des Narzissmus als strukturbildendes Moment des psychischen Apparates vollzieht sich im Spannungsfeld zwischen der Selbstbezüglichkeit des Individuums und dem Anhängsel-Sein an sein Keimplasma. Die darin enthaltene Zweck-Mittel-Problematik von arterhaltender Fortpflanzung und individueller Selbstbestimmung nimmt ältere Diskussionen zu Henne und Ei (Butler) auf und lässt sich weiter verfolgen bis in aktuellere Debatten um das »egoistische Gen« (Dawkins). Erstaunlicherweise findet sich im Rahmen des Genegoismus, der über seine »Überlebensmaschinen« (also: uns als Körperwesen) herrschen soll, eine Wendung hin zu einer »Emanzipation« der Körper/Organismen gegenüber den Genen als ihren »heimlichen Herrschern«, so wie der Narzissmus in der freudschen Psychoanalyse sich gegen die Arterhaltungsanforderungen zu wenden vermag.
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