Herzog Dagmar: Lust und Verwundbarkeit – Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA. (Reihe: Jena-Center. Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vorträge und Kolloquien; Bd. 24.) Wallstein, Göttingen 2018, 238 Seiten
DOI :
https://doi.org/10.21248/riss.2020.92.353Mots-clés :
Dagmar Herzog, Sexualität, PsychoanalyseRésumé
Zu Beginn der 1960er Jahre beschreibt Adorno eine Zwiespältigkeit der Sexualmoral, die auch aktuell Geltung hat. In sexualliberalen Zeiten – in denen »jedes materiell von den Eltern einigermaßen unabhängige Mädchen seinen Freund hat« – sei jenes »Moment des Unanständigen«, welches »Freud bei seinem Versuch, das spezifisch Sexuelle zu beschreiben« hervorgehoben hatte »geschwunden«. Einerseits. Andererseits aber erregten »Restbereiche« »des gesellschaftlich Anstößigen« umso heftiger Abscheu; was am »Sexus […] anders ist, bleibt ein allergischer Punkt«. Um solcherart »allergische Punkte« des Sexuellen drehen sich die Arbeiten der US-amerikanischen Historikerin Dagmar Herzog, in die der 2018 im Wallstein Verlag erschienene Sammelband Lust und Verwundbarkeit – Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA einen thematisch weit gefächerten Einblick gibt. An diversen Phänomenen zeigt Herzog, inwiefern Errungenschaften sexueller Freiheiten mit Gegenbewegungen und Backlashs immer wieder und bis heute verzahnt sind – wenn etwa, im Zeichen derzeit erstarkender politischer Religiosität, der Kampf für Behindertenrechte auch im Namen einer »großangelegte[n] Attacke« (S. 66) gegen reproduktive Selbstbestimmung geführt wird.
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© Sonja Witte 2020

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